1. Alltag.

    Da hier lange nichts mehr passiert ist und ihr euch daher alle fragt, was der Vincent die ganzen Tage, gar Monate zu tun hatte, werde ich nun über meinen Alltag berichten.

    Wobei von Alltag eigentlich keine Rede sein kann: es gibt Feiern und Streiks, nervenaufreibenden Unterricht und entspannte Nachhilfe, Marktsamstage und Chilloutsonntage, Trocken- und Regenzeit, Mango- und Avocadosaison, Vitalität und Müdigkeit. Zudem erfreut sich mein Gästezimmer bei Freiwilligen aus Togo, Ghana oder dem Bénin großer Beliebtheit, ich bin also selten allein.

    Wie gewohnt möchte ich nicht lange schnacken, sondern Bilder zeigen.

    UntitledDer Blick vom Lehrerpult. Ich habe mich an die neue Perspektive gewöhnt, doch sitze ich auch gerne bei den Schülern in der immer albernen letzten Reihe. Wer findet mich im Meer der Schülerköpfe?

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    Zu den Routineaufgaben eines Hausmannes gehört das Einkaufen. Mittlerweile kenne ich viele der Marktfrauen, weiß wo ich was bekomme und am wichtigsten: was ich dafür zahlen will. So sind meine Besuche bei der Inderin rar geworden, die zwar das beste Sortiment, aber auch die höchsten Preise hat. (Danke für das Bild, Liv!)

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    Wenn es mir gerade nicht zu warm ist, um produktiv zu werden, regnet es meist. Das öffentliche Leben erlischt für einen Moment, alle suchen Unterschlupf, ich mache mir eine Tasse Kaffee und freue mich auf die erfrischende Atmosphäre danach.


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    Gerne bin ich bei Luc, einem guten Freund und Schüler in der Terminale, dessen Familie einen Bauernhof hat und dort Palmöl, -wein und -weinschnaps herstellt. Ich werde hoffentlich bald mehr berichten können, da ich eingeladen wurde, ein Wochenende mit ihnen auf dem Hof und in den Feldern zu verbringen.

    UntitledÜber Ostern kam die Familie zu Besuch. Es war schön wieder in der vertrauten Fünferrunde zu sein. Seitdem weiß ich aber auch, das Deutschland nicht allzu weit weg ist  ich in absehbarer Zeit wieder zurück muss.
    Hier hilft mir Svea bei der Korrektur der Deutschklausuren, vielen Dank noch mal dafür!

    Ich hoffe, dass ich in der nächsten Zeit meine lausige Schreibrate aufbessern kann. Ich habe euch noch einige Fotos nachzureichen.

    2 weeks ago

  2. Ghana.

    Nach den Weihnachtstagen* habe ich mich mit Olivier (28, Pariser, ebenfalls Freiwilliger in Kpalimé) über Lomé auf den Weg nach Accra gemacht. Von der ghanaischen Botschaft haben wir einen Tag in Lomé geschenkt bekommen - am 27. war sie geschlossen und somit gab es keinen Pass für Olivier. Nach einem Bier am Mittag haben wir eine längere Siesta eingelegt - in Lomé klettern die Temperaturen gerne auf 35° -, sodass der Tag schnell rum war.

    Vielleicht sollte ich hier noch ein wenig über den togoischen Blick auf Ghana schreiben.

    Wenn ich erzählte, dass ich meine Ferien dort verbringen werde, gab es neben dem obligatorischen „Bring mir ein Brot aus Accra mit!“ auch häufig ein  „Ja, die Ghanaer, die sind stark. Die sind richtig entwickelt da drüben“ zu hören. Vieles, vor allem Elektronisches und Vierrädriges, wird in Ghana eingekauft. Togoer, die bereits dort waren, schwärmen von den Highways und den Staus.

    Obwohl ich bereits einen Monat in Ghana verbracht habe, habe ich diese Sicht absolut nachempfinden können.

    Schon der Grenzübergang in Aflao zeigt es: Auf togoischer Seite sitzen die Beamten an einem alten Holztisch und schauen sich Filme auf einem (aus Ghana importierten) DVD-Player an. Das Ausreiseformular wird gebückt stehend am selben Tisch ausgefüllt.

    Ein paar Meter weiter empfangen uns Schreibtische, bewaffnet mit PC, Webcam und Passscanner. Entspannt in Sesseln sitzend wickeln wir die Formalitäten ab. Mit einem „Whoa-Effekt“ reisen wir weiter nach Accra.

    Dort empfangen uns Hochhäuser, großstädtisches Flair und breite Boulevards - die im Gegensatz zu den wenigen in Lomé auch gut genutzt werden.

    Wir spazieren durch die Stadt, werden alle paar Meter von XXL-Werbebannern erschlagen und freuen uns, dass wir uns in den äußeren, einfacheren Bezirken „zu Hause“ fühlen können. Als wir dann auch noch einen KFC entdeckten, flüchteten wir in eine Seitenstraße, um unser gewohntes und günstiges Essen zu genießen.

    Accra war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich im Juli bei meiner Rückkehr erwartet. Während ich hier weitgehend frei von den auf Vorbereitungsseminaren vielbesprochenen „Kulturschocks“ geblieben bin, bekomme ich die wohl in Deutschland nachgereicht.

    Um diesen Text nicht allzu lang werden zu lassen, habe ich die nächsten Reiseziele mit den Fotos abgedeckt.

    Es sei noch schnell gesagt, dass wir in Cape Coast, unserer zweiten Station, nicht nur wunderbar Silvester gefeiert haben - Feuerwerk und Lagerfeuer am Strand - sondern auch noch den unterhaltsamen Anders aufgegabelt haben. Er ist Norweger, und so wechselte die Sprache auch zwischen uns auf Englisch und ein behagliches internationales Feeling stellte sich ein.


    *Einige erwarten sicher eine längliche Beschreibung der Weihnachtsfeierlichkeiten in diesem hochchristlichen Land. Das lohnt jedoch nicht, Weihnachten war ein Fest wie jedes andere, und bis auf ein paar Plastikweihnachtsbäume und anderem hässlichen Kitsch gab nur der Kalender Hinweis auf den bevorstehenden 2011. Geburtstag. In der Stadt gab es ein (ganz besinnliches) Remmidemmi.
    Mit zwei weiteren deutschen Freiwilligen und roten Kerzen haben wir ein Kaffeekränzchen veranstaltet, bei dem tatsächlich die „klassische“ Atmosphäre zustande kam.

     

    Im Gegensatz zu Togo fährt in Ghana die Bahn (noch). Leider nur zwischen Accra und Tema (25km) - wir wollten gerne von Kumasi nach Takoradi, doch dort waren die Gleise bereits von Markständen und Maisfeldern belegt. Auch in Accra machen die Schienen nicht den Eindruck benutzt zu werden: Wir haben sie als Abkürzung zum Bahnhof genommen und hätten uns auf dem Weg neu einkleiden können: Die Bahngleise dienen als Marktstraße für die „Haufenschopper“: Einen Berg europäischer Altkleider nach Brauchbarem durchsuchen - meine favorisierte Einkaufsvariante. Neben den Gleisen waren wir dann jedoch nicht einkaufen, der Ort kam uns etwas zwielichtig vor. Verbrannte Erde und einem folgende Jugendliche laden nicht zum Verweilen ein.


    Wer‘s nicht erkennt: zwischen ihren Waren hockt eine Marktfrau, die ihr Bürosortiment loswerden möchte. Damit ist sie nicht die einzige, und sie hat weder eine ausgefallene Auswahl noch unschlagbare Preise. Wie sie sich also über Wasser halten kann, ist mir ein Rätsel.

    Noch auffälliger war das Fehlen marktwirtschaftlicher Regeln in Kumasi: Auf 20m sitzen Hüfte an Hüfte Ghanaerinnen vor ihrem Teller Tomaten. Wieso nicht jemand mit mehr Startkapital vorbeikommt, größere Mengen kauft und so günstiger anbieten kann, entzieht sich wieder jedweder Logik. Genauer: jedweder westlichen Logik. Auf Profitmaximierung kommt es anscheinend nicht an, wenn genug zum Leben verdient wird, reicht‘s.


    Blick vom Cape Coast Castle auf die Brandung. Dahinter liegt der Hafen, wo ein große Party stieg. Dahin führte auch die „Door of no return“, was uns die historischen Umstände nicht ganz nachvollziehen ließ. Im Inneren der Burg ging das angesichts feuchter, enger Kammern schon eher, insgesamt ist die Burg aber zu radikal renoviert, um auf traurige Gedanken zu kommen. Der Gang zu ebengennantem Ausgang ist zugemauert, auf dem Boden findet man Abdrücke von Arbeitsschuhen im Zement - nicht sehr 16. Jahrhundert. Außerdem ist die Anlage einfach zu schön. Siehe nächstes Bild.


    Meer, Sonne und weißer Anstrich - alles wunderbar. Nur zur Geschichte mag es nicht recht passen. Oft monatelang mussten hier die Gefangenen auf ihre Verschiffung (oder ihren vorzeitigen Tod) warten. Und zwar nicht in so tollen Zimmern mit Meerblick, wie es der Gouverneur in der Burg hatte.


    Ghanaisches Reißverschlussverfahren in Kumasi. Da ist mir doch Kpalimé lieber, hier kann man Autos noch an den Händen abzählen.

    Apropos Verkehr: Ich habe nun endlich das Ampelsystem verstanden. Wenn kein Auto kommt, darf man fahren, auch wenn‘s Rot anzeigt. Kein Witz, das ist die Originalantwort, die ich bekam, als ich fragte, weshalb unser TroTro (Kleinbus) trotz roter Ampel die Kreuzung überquerte.

    Die Ampeln werden also nicht als Gebote aufgefasst, sondern eher als Vorhersage, wie viele Autos von der Seite kommen könnten.


    Die Green Turtle Lodge, laut Lonely Planet einfach “paradise”. Stimmt auch. Hier haben wir die letzten Tage der Reise mit Schwimmen, Essen und - weil‘s so anstregend war - Entspannen verbracht.

    Im Vordergrund unser Lieblingsspruch: TIA - „This is Africa“. Damit haben wir uns in so mancher Wartezeit bei Laune gehalten. Der Transport ist in Ghana zwar komfortabler (ein Platz pro Person - wie unökonomisch ist das denn?!), funktioniert aber genauso wie in Togo: es geht los, wenn der Bus voll ist, bis dahin heißt es warten.

    Neben Anders haben wir noch einen Südafrikaner kennen gelernt, der mit dem Spruch nicht so zufrieden war. TIWA - „This is West Africa“ ist aber nicht so prägnant.


    Ein weiteres Paradis, das wir per Zufall entdeckt haben: die Desertrose Lodge, die uns spät in der Nacht mit frischen Betten und kühlem Bier willkommen geheißen hat. Das hatten wir auch nötig, da wir vorher eine Stunde durch die Dunkelheit gewandert sind. Die Taxifahrer hatten sich gegen uns verbrüdert und der Preis stieg beim Verhandeln immer weiter an. Ermutigt von den Ratschlägen der Dorfbewohner (“Es ist viel zu weit!”,”Es gibt Räuber auf dem Weg!”) traten wir den Fußmarsch an und wurden dafür belohnt.


    Tut mir Leid, dass ich euch so mit Text vollgeschüttet habe, ich hatte mir eigentlich vorgenommen, den Blog mit kleinen Bildunterschriften zu füllen und nicht mit mehrseitigen Aufsätzen.

    Um aber noch die anfängliche Beschreibung der togoischen Sicht auf Ghana zu Ende zu führen: In Ghana ignoriert man Togo entweder komplett oder distanziert sich vehement. Eine Ghanaerin wehrte sich gegen meine Auffassung, dass in Taxen sieben Personen Platz fänden: “Ghana is not like Togo! We are civilized here!”
     

    Mit vielen Eindrücken im Kopf und glücklich, endlich wieder auf einem Taxi-Moto sitzen zu können, kamen Olivier und ich nach knapp zwei Wochen wieder in Lomé an. Ein ganz ungewöhnliches Gefühl stellte sich ein: nach einer Reise nicht nach Deutschland, sondern in die zweite Heimat zurückzukehren. Oder ist es bereits die erste? Es fühlt sich zumindest verdammt nach “zu Hause” an.

    3 months ago

  3. Königszeremonie

    Gestern durfte ich einem seltenen Schauspiel beiwohnen: die Inauguration eines neuen Dorfkönigs. Der ist zwar schon seit eineinhalb Jahren im Amt gewesen, aber nun wurden Zeit und Geld gefunden, um die Zeremonie zu veranstalten.

    Jedes Dorf hat einen solchen König. Reihum wählen die Königsfamilien einen ihrer Sprösslinge aus, um die Gemeinschaft zu repräsentieren. Dieser Machtadel scheint auf Zustimmung zu stoßen, die Zuschauerränge waren voll, immer wieder gab es begeisterte Zwischenrufe, es folgte ein ausgelassener Tanznachmittag.

    Wie das ganze System funktioniert (es gibt noch einen „Vater“, der den König berät, und die Dörfer der Umgebung sind auch irgendwie involviert) haben wir anwesenden Freiwilligen nicht komplett ergründen können. Genausowenig war für uns erkennbar, wer die anwesenden Könige waren - einer trug eine Krone, doch ein anderer schmückte sich mit einer verblichenen Baseballkappe…

    „Natürlich“ wurde auch ein Schaf und ein Huhn geschlachtet. „Geschlachtet“ ist vielleicht etwas zu positiv: der Hals wird aufgeschlitzt, das Blut fließt auf eine vorbereitete Stelle, anschließend werden die Tieren weit weggeworfen, wo sie dann langsam verenden. Nicht ohne komische Laute von sich zu geben und zu zappeln, aber das kümmert keinen mehr.

    Gleich gibt‘s die Fotos, aber erst einmal: frohe Adventszeit euch allen! Wäre das nicht heute morgen im Gottesdienst erwähnt worden, hätte ich glatt vergessen, dass Weihnachten vor der Tür steht.

    Noch schnell Tschüss sagen Die letzten Beschwörungsformeln an das auserwählte Schaf. Die nächsten Minuten erspare ich euch.


    Das Schaf müsst ihr nicht sehen, aber es gibt ja noch das Huhn.


    Die Krieger haben richtige Inszenierungen gezeigt, Jagdszenen, Choreografien etc.


    Mit modernster Waffentechnologie wurden Luftschüsse abgegeben. Ich bin froh, dass nur die Kugeln in die Luft flogen, nicht die Gewehre selbst.


    Manche Kämpfer nehmen es mit dem Traditionellen nicht ganz so ernst.


    Begleitet wurde das ganze von einem guten Dutzend Musikern. Sie haben dem ganzen Tag den Ton angegeben, ohne müde zu werden. Das sind die eigentlichen Krieger.


    Auch die Weißen haben getanzt, und das gar nicht mal schlecht!

    6 months ago

  4. Kpalimé.

    Einen Monat bin ich nun schon in Kpalimé. Hier läuft alles langsamer? Keine Spur. Ein Monat kann ganz schön kurz sein.

    Höchste Zeit also, euch einen kleinen Eindruck der Stadt zu verschaffen.

    Vorher aber: Ja, ich bin gut angekommen; Ja, ich habe schnell Kontakte knüpfen können und ja, mit dem alleine Leben komme ich zurecht.

    Ich wurde einem Deutschlehrer angeheftet, der zwei Seconde-Klassen (10. Klasse) hat und mit dem ich mich beim unterrichten abwechsle. Der Deutschunterricht fängt erst in dieser Klassenstufe an, sodass der Stoff in den Hintergrund tritt und ich mich langsam daran gewöhnen kann, den Lehrer zu mimen. Das klappt immer besser, noch bevor ich meine Hefte aufs Pult legen kann steht die Klasse und ruft: „Willkommen, Herr Lehrer!“. Sehr diszipliniert, wie man ahnen kann. Anders geht es auch kaum, sitzen doch 40 bis 60 Schüler in einer Klasse. So lässt sich vielleicht auch der strikte Frontalunterricht rechtfertigen, Relikt aus der französischen Besatzungszeit.

    Alle Besonnenheit wird jedoch abgelegt, sobald mehrere Schüler die Antwort zu wissen meinen: Aufspringen, Schnipsen, Klatschen, Rufen, nach vorne Rennen; all das gehört zu dem Repertoire, um die Aufmerksamkeit des Lehrers zu erhaschen.

    Jetzt aber die versprochenen Eindrücke. Mein Wecker hat mich heute um vier Uhr um den Schlaf gebracht, damit ich euch Kpalimé in schönster Morgensonne ablichten konnte.

    Die Marktraße. Rechts der erste Frühaufsteher, der seinen Stand  für den folgenden Kundenansturm vorbereitet. (Das ist vielleicht leicht übertrieben, er verkauft Aufladegeräte, Taschenlampen etc. - und ist damit nicht der Einzige)

    Immer noch Marktraße, hier buhlen die beiden Mobilfunkanbieter um die Gunst der Menschen. Zum einen das Staatsunternehemen Togocell, zum anderen das junge, dynamische, private moov - dem aber auch mal vom Staat die Leitungen gekappt werden. Doch beide sind schweineteuer.

    In der Zeit, wo die Missionare beider christlicher Glaubensrichtungen um Taufzahlen gewetteifert haben, musste etwas katholisch-protziges her.

    Sonnenaufgang über dem Agou, Togos höchstem Gipfel. Leider nicht mal ein Tausender, werde ihn aber dennoch erklimmen.

    Repräsentanten der meistvertretenen Verkehrsteilnehmer: Motorräder und Ziegen.
    Im Hintergrund der eigentliche Markt („Grand Marché“), in dessen Wellblechmeer man so ziemlich alles findet, außer den Weg nach draußen.

    Hinter dem Markt erstreckt sich das muslimische Viertel. Wer genau hinschaut, erkennt am Minarett zwei Lautsprecher - ich kriege auch am anderen Ende der Stadt die Gebetszeiten mit. Kpalimé ist ein Paradebeispiel für religiöse Toleranz, beide Parteien leben friedlich zusammen. Auch wenn ich vom “muslimischen Viertel” spreche, so gibt es keine strikte Trennung - hinter dem Collège Protestant gibt es auch eine kleine Moschee.

    Zum Schluss noch eine Ansage: ich freue mich weiterhin riesig über Mails, jeder bekommt auch seine Antwort - kann aber gut ne Woche dauern, nicht verzweifeln.

    6 months ago

  5. Ho.

    Verkehrsinsel als praktischer Parkplatz

    Am Montag werde ich von Ho nach Kpalimé ziehen. Aus diesem Grund kommen hier nun ein paar Eindrücke von dieser friedlichen und weitläufigen Stadt. Als Hauptstadt der Volta-Region ist Ho gut ausgestattet, man findet hier eigentlich alles für den täglichen Bedarf. An Markttagen verwandelt sich Ho in eine richtige Großstadt, mit verstopften Straßen und großem Gedränge.

    Typische Läden und ein „Blumenbaum“


    Wie gesagt: alles Lebensnotwendige ist vorhanden.


    Für mich außerdem wichtig: Die Headquarters der EP Church, „meiner“ Kirche, und viele deren Kindergärten und Schulen sind hier versammelt. Ich habe an einer der Grundschulen mit den Kindern Lesen geübt. Die klasseninternen Unterschiede im Leseverständnis - oder gar allgemeiner Beherrschung des Englischen - sind genauso groß wie die Altersunterschiede: die vierte Klasse besuchen Schüler von neun bis 14 Jahren; genauso gibt es die (meist weiblichen) Überflieger, die schon am Anfang des Schuljahres das gesamte Englischbuch durchgelesen haben, und wiederum die Leuchten, die in der sechsten Klasse nur kleine Brocken Englisch verstehen.

    Schüler der Mawuli Primary School, im Hintergrund die EP Headquarters


    Mein „Arbeitszimmer“: Am Tisch links gab es den Leseunterricht. Wie unschwer zu erkennen war es zudem die Rumpelkammer der Aufbewahrungsort für überschüssiges Schulmobiliar.

    Neben der Arbeit ist unsere Hauptbeschäftigung die Alltagsbewältigung. Wir verhungern nicht, weil wir unsere Essensgewohnheiten an die hiesigen Zutaten angepasst haben. Wir vereinsamen nicht, da wir seit dem ersten Tag ein Haustier haben - die Kröte Greta in der Dusche. Und auch das Handwerkliche Geschick verlernen wir nicht: Manche Türklinken ließen sich nur von einer Seite bedienen, ein Stromschalter verpasste dem Unbedarften arge Schläge, und das Anbringen eines Mückennetzes kann auch schon mal zur abendfüllenden Veranstaltung werden. Und die Arbeiten werden nicht weniger: der Überlauf unserer Spüle führt direkt in das darunter liegende Schrankfach - da ist noch eine Optimierung möglich.

    Der Alltag ist also nun im Griff, und so freue ich mich auf den eigenen Haushalt in Togo.

    Hoffmanns Haus, seit zehn Jahren Heim der Freiwilligen.


    Stand leider nicht zum Verkauf.

    7 months ago

  6. Akosombo Dam

    Blick von der Terasse des „Hotel Volta“


    Den Akosombo-Staudamm hat der Unabhängigkeitspräsident Nkrumah 1965 dem noch jungen Ghana geschenkt. Sich selbst gönnte er sich ein Villa am Hang - mit Staudammblick, versteht sich. Es gibt auch ein Hotel mit dem gleichen romantischen Blick, siehe Foto oben.

    Mit dem Voltasee hat sich Ghana einiges seiner Landfläche beraubt, aber dafür einen Großteil seines Strombedarfs gedeckt.

    Im „Keller“ des Damms stand ich auf dem vibrierenden Gehäuse einer der Generatoren. Der Lärm und die Hitze taten ihr übriges, um mich komplett zu faszinieren. Jeder der sechs Turbinen wird von einem sieben Meter breitem Wasserrohr gespeist; ich fühle mich plötzlich sehr klein.

    v.l.n.r: Mr Akoto und Alice vom Activity Center der EPC; Karin, die dort mehr über die Arbeit mit jungen Müttern in einem anderen Kulturkreis erfahren möchte und auch im Haus der Volontäre wohnt; Alices Sohn, der für die Betreibergesellschaft des Staudammes arbeitet; und ein bekanntes Gesicht.


    Oben auf dem Damm ist es hingegen ruhig. Der Blick schweift über die gewohntbeeindruckende Berglandschaft - mit dem Unterschied, dass alles unter 80m Höhe geflutet ist.

    Fischer vor dem Damm

    7 months ago

  7. “Fussball” spielende Kinder. Hinweis: der Ball befindet sich rechts im Bild.



    Abendliches Fußballspiel vor beeindruckender Kulisse, unweit unseres Hauses in Ho.

    7 months ago

  8. Die Autos auf Ghanas Straßen werden weder von rücksichtsvollen Fahrern noch von griffige Reifen auf der Fahrbahn gehalten. Geführt werden die Fahrzeuge vom festen Glauben der Menschen. Gott, Jesus oder Bibelstellen sind auf vielen Heckscheiben vertreten, vor jeder längeren Fahrt wird gebetet, nachher gedankt. Beste Aussage dabei:“Dear God, please take control of the steering wheel and drive us safe home”.Am Steuer saß jedoch nicht der Allmächtige, sondern Godwin, unser Mentor. Der hat die Strecke aber auch gut gemeistert.
Dass neben dieser Strecke ein Lkw auf dem Kopf lag und ein ausgebranntes Auto am Straßenrand “parkte”, macht natürlich Mut. Mir hilft in dem Fall Humor. Wenn man bei strömenden Regen die Fensterscheibe händisch hochziehen muss oder der verdrehte Scheibenwischer immer wieder mit einem gekonnten Handgriff während der Fahrt gerichtet wird, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Bei Taxen und Bussen selten anzutreffen sind Sicherheitsgurte, ein funktionstüchtiger Tacho, Innenverkleidung oder rissfreie Windschutzscheiben. Bei Letzteren lässt sich nur hoffen, dass die Sprünge durch Gegenstände von außen und nicht Passagierköpfe von innen entstanden sind.

    Die Autos auf Ghanas Straßen werden weder von rücksichtsvollen Fahrern noch von griffige Reifen auf der Fahrbahn gehalten. Geführt werden die Fahrzeuge vom festen Glauben der Menschen. Gott, Jesus oder Bibelstellen sind auf vielen Heckscheiben vertreten, vor jeder längeren Fahrt wird gebetet, nachher gedankt. Beste Aussage dabei:
    “Dear God, please take control of the steering wheel and drive us safe home”.
    Am Steuer saß jedoch nicht der Allmächtige, sondern Godwin, unser Mentor. Der hat die Strecke aber auch gut gemeistert.

    Dass neben dieser Strecke ein Lkw auf dem Kopf lag und ein ausgebranntes Auto am Straßenrand “parkte”, macht natürlich Mut. Mir hilft in dem Fall Humor. Wenn man bei strömenden Regen die Fensterscheibe händisch hochziehen muss oder der verdrehte Scheibenwischer immer wieder mit einem gekonnten Handgriff während der Fahrt gerichtet wird, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.

    Bei Taxen und Bussen selten anzutreffen sind Sicherheitsgurte, ein funktionstüchtiger Tacho, Innenverkleidung oder rissfreie Windschutzscheiben. Bei Letzteren lässt sich nur hoffen, dass die Sprünge durch Gegenstände von außen und nicht Passagierköpfe von innen entstanden sind.

    7 months ago

  9. Amedzope Falls


    Samstag haben wir unsere erste Hikingtour in der Umgebung gemacht: Ziel war das kleine Örtchen Amedzofe - Heimatort von einem der Securitymen der EP Church, mit dem ich mich angefreundet habe und der uns gleich anbot, die Gegend zu erkunden und seine Familie zu besuchen.Außerdem gesehen: Regenwolken von innen, Voltasee von weitem., urwaldähnliche Vegetation. Urwaldähnlich deshalb, weil das Klima in 800m Höhe weit weniger erbarmungslos ist als hier unten. Dank der an Nieselregen erinnernde Luftfeuchtigkeit habe ich mich gleich heimisch gefühlt.


    Als Highlight kamen wir nach einem halsbrecherischen Abstieg zum Fuße des obigen Wasserfalls und wurden mit einem traumhaften Anblick belohnt.




    Eine stilvolle Art sich zu verewigen: Blattspitze abbrechen und losschreiben. Gesehen am Mt Gemi, der zweiten “Touristenattraktion” Amedzofes.

    7 months ago

  10. Reizüberflutung

    Nach kurzem Flug und reibungsloser Weiterfahrt nach Ho sind die vielen Eindrücke nur schwer einzuordnen:

    Eine vom Kunden geweckte Brotverkäuferin schreckt auf und fährt mit der Arbeit fort, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Kleine Jungs tragen meterlange Holzdielen auf dem Kopf. Ein starker Schauer verwandelt Straßen in Sturzbäche. Einfache Steinhäuser oder Bretterverschläge sind verziert mit Farben und Logos der hiesigen Mobilfunkanbieter.
    An jeder Ecke wird Musik gehört oder gemacht. Tanzschritte auf dem Bürgersteig vorgeführt. Ekstase beim Trommeln erreicht. Wirklich Ruhe gibt’s nur Nachts mit Ohrstöpseln.

    Und über all dem liegt eine schwülheiße Luft, die Mittags viele Aktivitäten unmöglich macht und doch erst den frohen Lebensmut weckt.

    Auch mich packt diese easy-going-Atmosphäre. Wir können das Haus erst nächste Woche beziehen? Macht nichts, wir sind flexibel. Wir haben uns verlaufen? Kein Problem, Taxis fahren einen zu verhandelbaren Preisen nach Hause. Immer noch keinen Blogeintrag geschrieben? Und wenn schon, keine Nachrichten sind doch gute Nachrichten.

    Jetzt will ich euch aber nicht länger warten lassen, morgen laufe ich zum Internetcafé. versprochen.

    8 months ago